Sind Sie wirklich unbequem oder tun Sie nur so?

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Über förderliche Besserwisserei, Denkkultur und den Mut zur Entscheidung

Ein Artikel für Menschen, die unabhängig denken, mutig handeln und sich vor vorhersehbaren Übergriffen schützen wollen.

Die Inszenierung

Es gibt einen Typus Mensch, der sich öffentlich als unbequem bezeichnet. Der Begriff klingt mutig. Er verspricht Reibung, Tiefe, echten Austausch. Man liest es, nickt, denkt: endlich jemand, der es ernst meint.

Dann kommt der Moment, wo es ernst wird.

Jemand greift die Aussage auf. Bringt eine konkrete Idee. Geht in die Richtung Lösung. Und was passiert? Die Person, die sich als unbequem bezeichnet hat, weicht aus. Nicht grob. Nicht offensichtlich. Sondern elegant. Diplomatisch. Mit einem Satz wie:

Schöne Idee, der ich viel Erfolg wünsche.

Damit ist der Dialog beendet. Höflich. Leer. Abschließend.

Was wirklich passiert ist

Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster.

Wer öffentlich Haltung verkauft, aber im Ernstfall zurückrudert, schützt sich. Das ist menschlich. Die Angst, wirklich anzuecken, die Angst vor Kontrollverlust, die Angst, dass eine Idee, die nicht aus dem eigenen Mund kommt, den Raum verändert. All das ist tief verankert.

Aber es ist nicht unbequem. Es ist das genaue Gegenteil.

Und hier liegt das eigentliche Problem: Wer in der Öffentlichkeit Courage inszeniert, aber im Ernstfall bremst, belegt einen Raum, den andere bräuchten. Menschen, die es wirklich meinen. Die wirklich in die Umsetzung wollen.

Ein kurzer Moment mit Curt Goetz

Bei allem Ernst der Lage braucht es Distanz. Und Distanz entsteht am schnellsten durch Humor.

Curt Goetz, einer der klügsten deutschsprachigen Komödienschreiber des 20. Jahrhunderts, ließ seinen Dr. Prätorius sein Leben lang nach etwas suchen: nach einem Serum gegen die Mikrobe der menschlichen Dummheit.

Die entsetzlichste aller ansteckenden Krankheiten.

Er hat sie nie gefunden.

Vielleicht, weil man sie nicht eliminieren, sondern nur aufspüren kann. Beobachten. Benennen. Und sich fragen: Wo hat sie sich heute niedergelassen?

Die Antwort liegt oft näher, als man denkt. Nicht bei demjenigen, der eine Idee einbringt. Sondern bei demjenigen, der sofort Besserwisserei ruft.

Das Paradox der förderlichen Besserwisserei

Ist Besserwisserei für Sie ein Reizwort?

Spüren Sie Abwehr, wenn jemand schneller, klarer oder anders denkt als erwartet? Dann lohnt sich ein kurzer Moment der Selbstbeobachtung.

Es wird über Umsetzung gesprochen. Jemand bringt tatsächlich eine Idee ein, konkret, schnell, anders als erwartet. Und sofort kommt die Bremse: Besserwisserei wollen wir hier nicht.

Was gerade passiert ist, hat nichts mit der Idee zu tun. Es geht um erlebten Kontrollverlust. Wer führt, wer den Raum hält, wer das Tempo bestimmt, das wird neu verhandelt, wenn jemand eine Lösung einbringt, die schneller, klarer oder anders ist als erwartet. Der Reflex: bremsen. Erst prüfen, ob der Absender Statusmacht besitzt oder eben nicht.

Und der Mensch, der die Idee eingebracht hat? Der muss sich erst einmal von diesem Schlag erholen.

Der Kollateralschaden

Es gibt eine Kultur der Besserwisserei, des Sich Aufspielens, des Ego getriebenen Übertrumpfens. Diese Kultur existiert. Sie nervt zu Recht.

Aber sie hat einen Kollateralschaden hinterlassen: Wer wirklich etwas besser weiß, förderlich denkt, konkret und lösungsorientiert ist, der wird in denselben Topf geworfen. Nicht weil er falsch liegt. Sondern weil er zu schnell, zu klar, zu anders war. Und weil er im System keine Statusmacht besitzt.

In Deutschland ist dieses Muster besonders ausgeprägt. Konsens wird belohnt. Reibung wird bestraft. Auch dann, wenn die Reibung produktiv gewesen wäre.

Wie gehen Sie mit Klugheit um, wenn sie nicht aus dem richtigen Mund kommt?

Wer denkt, reagiert anders

Wer gewohnt ist zu denken, wer Denken trainiert, wer es als Werkzeug begreift und nicht als Bedrohung, der reagiert auf eine gute Idee nicht mit Abwehr. Der sagt:

Das ist ja spannend. Lass uns das weiterdenken.

Nicht weil er schwach ist. Sondern weil er stark genug ist, um Neues zuzulassen.

Wer es nicht gewohnt ist, geht sofort in Affekt. In Abwehr. In Etikettierung.

Das ist keine Frage der Intelligenz. Es ist eine Frage des Trainings. Und es ist eine Einladung an sich selbst: Wann haben Sie zuletzt innegehalten und sich gefragt, ob der Fingerzeig nach außen vielleicht auch einen Anteil nach innen hat?

Wer gerne und viel denkt, wer Denken als Freude erlebt und nicht als Pflicht, der wird hier seinen Rhythmus finden. Ein erster Schritt kann sein, sich dem Wort hirnbegabt einfach mal zu nähern. Es klingen zu lassen. Und es ausdrücklich nicht mit Hochbegabung zu verwechseln. Es geht nicht um Kategorie oder Klassifizierung. Es geht um die Bereitschaft, das eigene Denken ernst zu nehmen. Als Ressource. Als Freude. Als Motor.

Die einzige ehrliche Antwort

Öffentliche Räume, ob Bühnen, Diskussionsformate oder Social Media Threads, sind strukturell nicht dafür gemacht, dass echte Entscheidungen fallen. Sie sind gemacht für Applaus, für Sichtbarkeit, für das Spielen einer Rolle.

Das ist nicht schlimm. Aber man muss es wissen.

Wer wirklich entscheiden will, wer tatsächlich in die Umsetzung will, braucht einen anderen Raum. Einen, in dem nichts gespielt werden muss. In dem Kontrollverlust kein Bedrohungssignal ist, sondern der Beginn von etwas Neuem. In dem eine Idee nach ihrer Qualität beurteilt wird, nicht nach dem Status desjenigen, der sie einbringt.

Einen sicheren Raum. Und eine Methode, die nicht auf Diskussion setzt, sondern auf Entscheidung.

Genau dafür gibt es den Mentalen Boxenstopp®. Nicht als Idee. Als Format. Als das, was kommt, wenn man aufhört zu diskutieren und anfängt zu entscheiden.

Kennen Sie das auch?

Haben Sie als Entscheiderin oder Unternehmer erlebt, dass Sie mit einer konkreten Idee in einen Raum gegangen sind und mit dem Etikett Besserwisserei wieder herausgekommen sind?

Haben Sie bemerkt, dass in dem Moment, wo es wirklich konkret werden sollte, plötzlich die Energie aus dem Raum wich?

Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein Systemfehler. Und Systemfehler lassen sich lösen, aber nicht in den Räumen, in denen sie entstanden sind.

Neid ist vorhersehbar. Abwehr ist vorhersehbar. Wer das weiß, kann sich schützen und trotzdem vorwärtsgehen.

Zur Vertiefung

Rafael Bonelli: „Kopflos

Der Wiener Psychiater Rafael Bonelli legt mit Kopflos eine präzise Diagnose vor: Wir denken immer weniger. Nicht weil wir es nicht könnten, sondern weil wir es verlernt haben. Wer sich selbst dabei ertappen möchte, wie schnell man in Abwehr und Bewertung geht statt ins Denken, findet hier einen ehrlichen Spiegel.

Astrid Goeschel: Hirnbegabt (in Vorbereitung, erscheint bei BoD Hamburg). Hören Sie gerne die beiden Lieder zum Buch an:


Wo Bonelli die Diagnose stellt, beginnt Hirnbegabt. Nicht als Klagelied. Sondern als Chanson.

Die französische Chansontradition kennt das: Ein Lied, das nicht jammert, sondern berührt. Das nicht erklärt, sondern in Resonanz bringt. Das uns erlaubt, zwischen zwei Zuständen zu wechseln, die beide gebraucht werden: zu uns kommen und außer uns geraten. Stille und Aufbruch. Innehalten und Vorwärtsgehen.

Genau das ist der Geist von Hirnbegabt. Ein deutschsprachiges Chanson für das Denken. Eine Einladung, das eigene Gedankengebäude nicht als Last zu tragen, sondern als Ort, an dem man sich sicher fühlt. Von dem aus man aufbricht. Zu dem man zurückfindet.

>> Link zum Fachartikel „Wir sind alle hirnbegabt“ mit einem Lied zum Buch

Denn (positive) Emotionen sind ein Motor. Und wer lernt, mit ihnen zu arbeiten, dem steht ein Erfolg bevor, der leicht sein darf. Der Freude machen kann. Trotz Anstrengung. Oder vielleicht gerade deshalb.

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Astrid Göschel M.A.

Strategische Denkpartnerin für Entscheider. Inhaberin von Mentaler Boxenstopp®. EU-Botschafterin im Netzwerk weiblicher Unternehmerschaft.Sie arbeitet dort, wo wirklich gedacht wird.

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by Astrid Göschel M.A.

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