Teil I: DIE INTELLIGENZBESTIE IM KOPF

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Ein hirnfreundliches Gedankenexperiment über Macht, Willkommenskultur und gelingende Kooperation

Eine Essayserie von Astrid Göschel M.A.

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Drei Texte, ein Gedanke. Nicht als These, sondern als Experiment: Woran könnte es liegen, dass Quoten seit Jahrzehnten nicht die Wirkung entfalten, die man sich von ihnen verspricht? Woran könnte es liegen, dass hochmotivierte Frauen um Positionen kämpfen – und sie, einmal erreicht, wieder verlassen, selbstbestimmt, mit dem lakonischen Satz: der Preis ist es mir nicht wert?

Teil I stellt das Gedankenexperiment vor. Teil II folgt der Kette von der Willkommens- zur Veränderungskultur. Teil III zeigt, wie gelingende Kooperation konkret aussehen kann – am Beispiel unternehmerischer Partnerschaften, die Frauen nicht Türöffner, sondern Mitgestalter an die Seite stellen. Am Ende steht eine Podcast-Fassung des ersten Teils.

Teil I: Die Intelligenzbestie

Ein Wort, still auf das Papier gesetzt, ist zunächst nur das: schwarz auf weiß, neutral, ohne Widerhall. Intelligenzbestie. Lesen Sie es noch einmal. Registrieren Sie, bevor der Verstand urteilt, was im Körper geschieht. Ein Innehalten? Ein leises Zurückweichen? Oder Neugierde, der Impuls, näher heranzutreten?

Das ist kein rhetorischer Trick, sondern eine Methode. Hirnfreundliches Denken prüft, bevor es bewertet: Was löst ein Reiz in den Sinnen aus, bevor der Verstand ihn einsortiert? Wie klingt das Wort, wenn man es sich vorspricht – hart, spöttisch, bewundernd? Welches Bild entsteht, wenn man die Augen kurz schließt? Und, ja, auch das: Wonach riecht der Gedanke – nach Gefahr oder nach Aufbruch?

Bei den meisten Menschen, das zeigt die Erfahrung in Gesprächen mit Führungskräften ebenso wie in Coachings, läuft bei Intelligenzbestie ein vertrautes Programm ab. Ein Innehalten. Eine Pause, die kein Interesse ist, sondern Prüfung: Freund oder Gefahr? Und der Kontext verstärkt das Muster – das Wort wird auffällig oft Frauen zugeschrieben, und fast nie als reines Kompliment.

Nun das eigentliche Experiment. Stellen Sie sich vor, zum Wort Intelligenz träte ein Bild: ein Höllenhund, von der Kette befreit. Was verändert sich? Aus der stillen Irritation wird konkrete Gefahr. Und auf Gefahr reagiert der Mensch – das ist keine Charakterschwäche, sondern Neurobiologie – mit Kontrolle. Mit Maulkorb. Mit Leine. Mit dem Impuls, zu zähmen, was frei zu laufen droht.

Genau hier, so die These dieses Gedankenexperiments, könnte einer der blinden Flecken liegen, an dem sich das Thema Chancengleichheit seit Jahrzehnten wundreibt. Wir adressieren Zahlen, Quoten, Programme – und übersehen das Bild, das im Kopf entsteht, sobald eine Frau ihre Intelligenz nicht dezent, sondern sichtbar auslebt. Nicht die Kompetenz irritiert. Das Bild der ungezähmten Kraft irritiert.

Das würde erklären, was sich in Unternehmen und Institutionen immer wieder beobachten lässt, und was gern falsch gedeutet wird: Frauen erreichen, oft nach jahrelangem, hartem Einsatz, eine Spitzenposition – und verlassen sie wieder, aus eigenem Antrieb. Der Kommentar von außen lautet dann allzu oft: Seht ihr, sie wollen es ja gar nicht wirklich. Dabei ist es häufig das Gegenteil: Es ist der Preis, den diese Positionen fordern – die dauerhafte Selbstverkleinerung, das ständige Abfedern der eigenen Wirkung, das leise Zähmen der eigenen Bestie, damit sie niemandem Angst macht – der nicht mehr getragen werden will.

Erfolg, natürlich-leichter Erfolg, stellt sich bei Frauen wie bei Männern dann ein, wenn er entlang der eigenen Fähigkeiten und Ziele gelebt werden darf – nicht entlang eines Bildes, das andere für erträglich halten. Und Neurobiologie wie Medizin bestätigen längst, dass Frauen anders fühlen, anders entscheiden, anders kommunizieren als Männer – nicht besser, nicht schlechter, anders. Eine Unternehmenswelt, die dieses Anderssein nicht nur toleriert, sondern als Ressource begreift, bräuchte keine Quote als Krücke. Sie bräuchte etwas, das schwerer zu verordnen, aber ungleich wirksamer ist: eine Willkommenskultur.

Hinweis: Song zur Essayserie | vertont mit KI | Text, Konzept und Umsetzung von Astrid Göschel M.A.

Was daraus folgt, führt der zweite Teil dieser Serie aus.


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Astrid Göschel M.A.

Executive Advisor for Leadership Transformation & Female Entrepreneurship. Als Ambassador des European Network of Female Entrepreneurship arbeitet sie dort, wo wirklich gedacht wird – und wo Führung neu definiert wird.

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