Ein Praxisfall über Marketing, Täuschung und wie KI dir hilft, durchzublicken

Foto: Astrid Göschel M.A. | Hamburg 2026 | Alster
Der Moment, in dem ich dachte: Das passt perfekt
Vor kurzem bin ich auf eine Pressemitteilung gestoßen, die perfekt in mein Themenfeld passte: Female Entrepreneurship. Die Headline versprach genau das, was ich suche – Netzwerke, Selbstständigkeit, Mentale Gesundheit und intelligente Lösungen hierzu.
Mein Gedanke war sofort: Das ist eine perfekte Kooperation, da kann ich anbieten, da kann ich unterstützen.
Also hab ich eine Mail geschrieben – professionell, mit 25 Jahren Erfahrung im Rücken:
Ihre Pressemitteilung deckt sich inhaltlich mit meinem Themenfeld: der Unterstützung von Frauen auf dem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit. Mein fachlicher Schwerpunkt liegt dabei VOR der eigentlichen Weichenstellung – ich arbeite mit Frauen an der inneren Statik: mentale und emotionale Sicherheit als tragfähiges Fundament. Themen wie mentale Stärke und Networking, die auch in Ihrer Veranstaltung zentral waren, sind Kernbestandteile meiner Arbeit. Ich bringe gerne Expertise in Podcasts, Interviews, Veranstaltungen und Panels ein – falls sich hierzu Berührungspunkte ergeben.
Die Antwort kam schnell: Danke, dass wir Sie kennenlernen. Aber Sie passen hier gar nicht rein – wir machen ja gar nicht wirklich was zum Thema Entrepreneurship.
Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Ich bin nicht reingefallen, weil ich dumm bin. Ich bin eingegangen – mit offenen Augen. Und die waren nur bewusst mehrdeutig.
Was war passiert?
Ich hätte mir jetzt drei Fragen stellen können:
- Bin ich zu dumm, um das zu verstehen?
- Liegt das an meiner ausdifferenzierten Wahrnehmung als Linguistin und Literaturfreund?
- Oder arbeitet hier jemand bewusst mit Verwirrung?
Die Antwort ist: Weder noch, sondern: Ja.
Es war bewusst gestaltete Mehrdeutigkeit. Und das ist das, was ich in diesem Artikel mit dir teilen möchte – nicht als Vorwurf, sondern als Erkenntnismerkmal für dich.
Das Problem: Gutes Marketing vs. Verwirrungs-Marketing
Lass mich dir zeigen, was ich meine.
Was die Pressemitteilung versprach:
| Headline & Textanfang | Die Botschaft |
|---|---|
| „Female Entrepreneurship: Netzwerke stärken Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit“ | Hier geht es um echte Gründerinnen, echte Geschäftsmodelle |
| „Selbstbestimmung“, „berufliche Zukunft selbst in die Hand nehmen“ | Du schaffst dir deinen eigenen Weg |
| „wirtschaftlich große Möglichkeiten“, „finanzielle Unabhängigkeit“ | Es gibt Geld zu verdienen |
Klingt klar, oder? Aber dann kam das Kleingedruckte – oder eher: das Unklargedruckte.
Was der Text wirklich sagte:
Für uns ist wichtig: Wir sind eine Plattform und Partner für Menschen, die sich eine selbstbestimmte berufliche Zukunft aufbauen möchten.
Moment. „Plattform“? Das klingt nach: Du bist dein eigener Chef – aber nur auf unserer Plattform.
Das ist Verwirrungs-Marketing. Und hier ist der Unterschied:
| Gutes Marketing | Verwirrungs-Marketing |
|---|---|
| Sagt klar: „Das ist ein MLM“ oder „Das ist ein Netzwerk-Vertriebssystem“ | Sagt: „Netzwerk“ und „Plattform“ – aber nicht, dass Verdienst aus Rekrutierung kommt |
| Erklärt transparent: „Du verdienst durch Produktverkäufe“ oder „durch Vermittlung“ | Spricht von „Mentaler Stärke“, „Selbstbestimmung“ – aber nicht von Statistiken (dass 99% scheitern) |
| Macht es möglich, schnell und ohne Zeitverschleiß zu verstehen, ob es zu dir passt | Macht es unmöglich, das sofort zu verstehen – erst beim Lesen der Antwortmail wird’s klar |
Warum mir das passiert ist – Und warum es Ihnen auch passiert
Hier ist die ehrliche Antwort: Ich bin nicht reingefallen, weil ich dumm bin. Ich bin „reingefallen“, weil die Pressemitteilung professionell geschrieben wurde – für diejenigen, die sie nicht kritisch lesen.
Das ist kein Fehler in meiner Wahrnehmung. Das ist Absicht in ihrer Kommunikation.
Und jetzt kommt der wichtige Teil: Das ist nicht deine Schuld, wenn dir das passiert. Aber deine Verantwortung, wenn du es nicht änderst.

Die goldene Regel: Kritisches Denken ist dein bester Partner
Hier ist, was ich gelernt habe – und was ich dir weitergeben möchte:
1. Fragen Sie nach, bevor Sie investieren (Zeit, Geld, Energie)
Statt: „Cool, das klingt spannend“ → direkt kooperieren
Besser: „Warten – wie verdienen die Partner WIRKLICH Geld?“
Eine simple Google-Suche + 3 Minuten Recherche hätten mir die Antwort gegeben. Ich hätte gespart:
- Zeit für eine unnötige Mail
- Mentale Energie auf ein Missverständnis
- Potenzielle Glaubwürdigkeit, wenn ich mit so einem Unternehmen assoziiert würde
2. Nutzen Sie KI als Ihr Recherche-Tool
Genau das habe ich dann getan: Ich habe Claude eine Pressemitteilung gezeigt und gefragt: „Was sagen sie wirklich? Wo liegt die Diskrepanz?“
Die Antwort kam in Form einer Tabelle – genau wie ich sie dir oben gezeigt habe. Das ist der Punkt, wo Technologie dir hilft, schneller klarer zu sehen.
KI kann dir in Sekunden zeigen:
- Was wird gesagt?
- Was wird nicht gesagt?
- Wo ist die Mehrdeutigkeit?
- Welches Geschäftsmodell steckt dahinter?
Und ja – das erspart IhnenZeit und schärft unseren Blick.
3. Trainieren Sie Ihre Wahrnehmung, indem Sie sie überprüfen
Der wichtigste Punkt: Vermeintliche Fehler sind nur dann Fehler, wenn Sie nicht daraus lernen.
Ich bin nicht reingefallen, ich bin eingegangen. Mit offenen Augen und einer Frage. Und jetzt kann ich dir das beibringen.
Die andere Seite: Gutes Marketing erkennen
Jetzt kommt der positive Teil. Es gibt auch wirklich gutes Marketing. Und das erkennen Sie daran:
Merkmale von gutem Marketing:
- ✓ Klar. Sie verstehen sofort, was das Unternehmen macht
- ✓ Ehrlich. Auch Limitierungen werden genannt (nicht nur Chancen)
- ✓ Spezifisch. „Aloe-Vera-Produkte“ statt „Wellness-Lösungen“
- ✓ Vertrauenswürdig. Die Website sagt das Gleiche wie die Pressemitteilung
- ✓ Kooperationsfreundlich. Wenn Sie anfragen, verstehen sie schnell, ob’s passt – weil ihre Positionierung klar ist
Mit guten Marketing-Partnern passiert das:
- Sie brauchen weniger Zeit, um zu verstehen, ob’s passt
- Kooperationen lassen sich schnell und effizient klären
- Es gibt kein Missverständnis, das Zeit kostet
Diese Partner bau ich mir auf meiner Kooperationsseite auf – aber nicht als bloße Namensliste. Menschen, die nicht mit Täuschung spielen, sondern mit klaren Produkten, klaren Wegen und guten Systemlösungen arbeiten.
Wichtig: Ich führe mit diesen Partnern auch selbst Gespräche und verlinke diese. Eine Referenzliste ist nichtssagend – man weiß ja nie, was Menschen wirklich tun und ob sie Wort halten. Das Wort von den Menschen selbst, im Gespräch, das ist glaubwürdig.
Und ehrlich gesagt: Langfristige Zusammenarbeit hat immer gute Zeiten und schlechte Zeiten. Entscheidend ist, wie man sich gemeinsam entwickelt. Das sieht man, wenn man die Gespräche hört – wie wir miteinander umgehen, wie wir Herausforderungen angehen, wie wir wirklich füreinander einstehen.
Das zeigt sich nicht in einer Liste. Das zeigt sich im Dialog.
Das Wichtigste zum Schluss: Erfolg ist nicht immer leicht, aber Klarheit macht es möglich
Das Versprechen der digitalen Welt lautet: Alles wird einfacher, schneller, klarer. Und das kann wahr sein – aber nur, wenn Sie selbst fragen und verifizieren.
Erfolg ist nicht immer leicht. Aber Erfolg wird leichter und vor allem möglich durch:
- Kritisches Denken – Nicht alles glauben, was geschrieben steht
- Gezielte Recherche – 3 Minuten Googeln vor einer Kooperation
- KI-Unterstützung – Ihre Wahrnehmung mit Technologie schärfen
- Klare Kommunikation – Mit Menschen arbeiten, die wissen, was sie wollen
Und wenn Ihnen jemand sagt: „Das ist zu kompliziert“ – nein, das ist nicht zu kompliziert. Das ist nur die Realität. Und die Realität anzuerkennen ist der erste Schritt zu echtem Erfolg.
Noch eine Sache:
Falls Sie merken, dass eine Kooperationsmöglichkeit nicht passt, brauchen Sie sich nicht zu verteidigen. Wenn Sie klar sind, brauchen Sie sich nicht zu rechtfertigen.
Und die Menschen, mit denen ich arbeite – in Podcasts, in Kooperationen, in Projekten – das sind Menschen, bei denen ich sag: Die spielen nicht mit Täuschung.
Wenn Sie wissen wollen, mit wem ich wirklich zusammenarbeite, schauen Sie auf meine Kooperationsseite und hören Sie sich die Podcast-Gespräche an. Das sind nicht einfach Namen – das sind echte Dialoge, in denen du hörst, wie Menschen Ihre Marke / Ihre Produkte warum und wie genau über Jahre als echte Win-Win-Lösungen aufgebaut haben für Andere, die ein aktuelles und meist akutes Businessproblem leicht lösen (lassen) wollen.
Das sind Menschen, bei denen ich sag: Das ist echt, das ist klar, das ist vertrauenswürdig. Und ja – auch wir haben nicht immer reibungslose Zeiten. Aber wir entwickeln uns gemeinsam weiter. Und das zeigt sich in guten Gesprächen und langfristigen Beziehungen.
Und selbst wenn’s mal zu einem Konflikt kommt – mit echten Menschen lässt sich der lösen. Man braucht nicht das Schwert der Macht auf den anderen richten. Wer gestalten und in den Dialog gehen kann, muss nicht zerstören.
Klarheit von Anfang an macht das leicht.
Ihre Aufgabe diese Woche:
Schauen Sie sich eine Kooperationsmöglichkeit an, die dir gerade vor Augen steht. Fragen Sie nicht: „Klingt das gut?“ Fragen Sie stattdessen: „Wer verdient hier wirklich Geld? Und wie?“
Die Antwort auf diese eine Frage spart oft Wochen Zeit.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie mir gerne. Ich sammle diese Fälle und nutze sie für noch bessere Artikel.
