Plan statt Pathos – warum Stoppen gerade das Mutigste ist

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Ein Kommentar zum Newsletter Neuland von KT Guttenberg – und was er mit uns persönlich zu tun hat

Es gibt eine Zahl aus dem aktuellen Newsletter Neuland von KT Guttenberg, die mich nicht lässt.

Zwei Drittel der Amerikaner sagen: Das sind die schlechtesten Zeiten unseres Lebens. Gleichzeitig halten dieselben Menschen ihr Land für das größte in der Geschichte der Menschheit.

Beides gleichzeitig. Stolz und Verzweiflung. Größe und Absturz.

Wer das liest und denkt „typisch Amerika“ – sollte kurz innehalten. Denn KT Guttenberg beschreibt das sehr präzise als das, was es ist: eine Vorwarnung für Europa.

>> Hier zum NEULAND Update von KT Guttenberg an: www.guttenberg.media

Wut eskaliert schneller, als wir denken

Was die Studie von Frank Luntz zeigt, kennt jeder, der schon einmal in einem hitzigen Gespräch saß und später dachte: Wie sind wir dahin gekommen?

Wut wird aus Ohnmacht gespeist – und aus dem Hass, der daraus entsteht, wenn Ohnmacht zu lange anhält und nicht gehört wird. Dabei ist Wut ursprünglich eine Schutzemotion: Sie signalisiert eine Grenzüberschreitung. Erst wenn sie ignoriert wird, kippt sie in Hass.

Ihr Gegenpol ist die Liebe: gespeist aus Zuversicht, genährt durch Sicherheit und das Gefühl, in einem Gemeinschaftsgefüge wirklich dazuzugehören. Beide sind die stärksten Emotionen, die wir kennen. Beide eskalieren in Sekunden – die eine nach außen, die andere nach innen.

Von Ärger zu Wut. Von Wut zu Zorn. Und wer im Zorn handelt, handelt zerstörerisch – ob in der Politik, im Unternehmen oder am Küchentisch.

Die Menschen in Amerika sind bereits im Zorn. In Deutschland beobachten wir dieselbe Entwicklung. Fast die Hälfte der Amerikaner hat laut der Studie in den letzten zwei Jahren Beziehungen verloren, weil man politisch nicht mehr miteinander umgehen konnte. Politische Gespräche werden zum Minenfeld. Ein falsches Wort und etwas bricht.

Das ist kein Kulturkampf. Das ist Kontrollverlust.

Und dieser Kontrollverlust beginnt nicht in Washington oder Berlin. Er beginnt in uns.

Plan statt Pathos – aber wo fängt das an?

Luntz’ Befund ist eindeutig: Was Menschen sich wünschen, ist kein großes Narrativ. Keine Zeitenwende, keine Transformation, kein Green Deal. Sie wollen einen konkreten Plan. Wer macht was bis wann. Wie wird Erfolg gemessen.

Dieser Artikel bezieht sich auf den Newsletter Neuland von KT Guttenberg, basierend auf der Studie von Frank Luntz. Diese Studie bekommen Sie, wenn Sie sich zum Newsletter anmelden.

„A detailed plan of action“ – ganz oben auf der Wunschliste. Vor Visionen. Vor Missionen. Vor Manifesten.

Das gilt für Politik. Es gilt genauso für Unternehmen. Und es gilt – das ist der Punkt, der mich beschäftigt – für jeden Einzelnen.

Denn bevor ein Plan entstehen kann, muss eines passieren: Stoppen.

Wer weiterfährt, während alles eskaliert, produziert keinen Plan. Er produziert Tempo. Und Tempo ohne Richtung ist gefährlich.

Der Boxenstopp als individuelle Antwort

In der Formel 1 gibt es Fahrer, und es gibt die Box. Der Fahrer ist im Rennen. Er spürt den Druck, die Hitze, den Lärm. Er hat keine Übersicht – er hat Geschwindigkeit.

Die Box sieht das Feld. Sie weiß, wann der Reifen platzt, bevor der Fahrer es spürt. Und sie gibt das Signal: Reinkommen. Jetzt.

Dieser Boxenstopp kostet Sekunden. Er kostet nie das Rennen. Was das Rennen kostet, ist zu lange draußen zu bleiben.

Ich arbeite seit 25 Jahren mit Menschen, die im Rennen sind. CEOs, Führungskräfte, Unternehmer – aber auch Frauen, die Beruf und Privatleben täglich neu zusammenhalten. Das Muster ist immer ähnlich: Die Erschöpfung kommt nicht plötzlich. Sie kommt schleichend.

Und dann kommt der Moment, in dem jemand sagt: Stoppen? Das geht nicht. Ich hab keine Zeit dafür. Und selbst wenn – ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass danach irgendetwas wieder geordnet weitergeht.

Die Wasserflasche

Wenn ich mit Menschen in diesem Zustand arbeite, fange ich klein an. Sehr klein.

Ich gebe ihnen eine Flasche Wasser mit der Aufschrift „IDEENSPRUDEL“ und bitte sie um eine einzige Aufgabe: Einmal am Tag hinsetzen. Fünf Minuten. Keine Geräusche, kein Handy, kein Multitasking. Nur diese Flasche Wasser in Ruhe austrinken. Sich erden. Kurz ausschalten.

Die häufigste Antwort: „Das geht nicht. Ich hab keine fünf Minuten für so was.“

Dann reduzieren wir auf zweieinhalb Minuten. Manchmal auf drei.

Und dann passiert etwas. Langsam. Weil man im Stoppen beginnt zu erkennen, was das Stoppen eigentlich ist: keine Schwäche. Kein Aufhören. Sondern der erste bewusste Atemzug seit Wochen.

Was passiert, wenn man nicht stoppt

Es gibt drei Möglichkeiten, wenn der Druck zu groß wird und der Stopp ausbleibt:

Implodieren. Wer eher introvertiert ist, zieht sich zurück. Nach innen. Unsichtbar, still – und innerlich bereits am Zerbrechen.

Eskalieren. Wer den Druck nach außen trägt, schreit sich Kopf und Kragen. Verletzungen entstehen. Beziehungen zerbrechen.

Erstarren. Man funktioniert weiter – aber nur noch mechanisch. Kein Gefühl mehr für das, was wirklich wichtig ist.

Alle drei Muster kenne ich aus der Arbeit mit Führungskräften genauso wie aus Gesprächen mit Frauen, die Familie und Karriere täglich neu ausbalancieren. Der Auslöser ist immer derselbe: zu lange nicht gestoppt.

Und die Lösung ist immer dieselbe: nicht auf bessere Umstände warten. Sondern selbst anfangen.

Nicht auf die Politik warten

KT Guttenberg zeigt in seinem Newsletter, was passiert, wenn eine ganze Gesellschaft nicht mehr stoppt: Vertrauen erodiert. Sprache spaltet. Wut wird zur Standardreaktion.

Aber die Antwort darauf ist nicht, auf die Politik zu warten, bis sie rechtzeitig etwas macht. Die Antwort beginnt beim Einzelnen.

Wir müssen uns zusammenschließen und stärken – nicht schwächen, indem wir ständig diskutieren und die Welt schwarzmalen. Wer sich selbst stabilisiert, wer stoppt, bevor er eskaliert, wer einen Plan hat statt Pathos – der ist Teil der Lösung. Nicht Teil des Problems.

Das ist keine Selbstoptimierung. Das ist Haltung.

Eine Anmerkung zur politischen Einordnung

Ich halte es mit einer alten Regel, die ich für zeitloser halte als die meisten modernen Kommunikationsratschläge: Über Politik, Krankheiten und Geld spricht man nicht öffentlich. Das ist keine Feigheit – das ist Respekt vor der Komplexität dieser Themen und vor dem Gegenüber.

Trotzdem möchte ich hier einmal ausnahmsweise erklären, warum ich das überhaupt anspreche.

Neulich postete ich auf LinkedIn aus einer Veranstaltung zum Thema Freihandelsabkommen. Sofortige Reaktion: „Ach, du bist also liberal.“ Wochen davor hatte ich über eine Veranstaltung einer anderen politischen Stiftung berichtet. Reaktion: „Ah, SPD also.“

Beides ohne Nachfrage. Beides ohne einen Moment der Reflexion. Und beides ein Beispiel dafür, wie schnell heute eingeordnet wird – bevor überhaupt eine Frage gestellt wurde.

Was viele nicht wissen oder vergessen haben: Die politischen Stiftungen in Deutschland veranstalten öffentliche Bildungsveranstaltungen. Für alle. Wer dort erscheint, ist kein Parteimitglied – er bildet sich. Das ist ein Unterschied, der gerade in dieser Zeit wichtiger nicht sein könnte.

Ich besuche Veranstaltungen quer durch das politische Spektrum – zu Freiheit, zu sozialer Verantwortung, zu Sicherheitspolitik, zu Wirtschaft. Nicht um mich einzuordnen. Sondern um zu verstehen. Und um Inhalte zusammenzuführen, statt sie gegeneinander auszuspielen.

Mein Ansatz wird von Menschen aus sehr unterschiedlichen politischen Lagern geschätzt. Das ist kein Zufall. Erschöpfung, Eskalation und die Sehnsucht nach echtem Stoppen sind keine Parteifrage.

In einer Zeit, in der Menschen blitzschnell urteilen und ausgrenzen – und Luntz zeigt das mit harten Zahlen – sage ich das klar: Wer versucht, mich politisch einzuordnen, liegt falsch. Nicht weil ich etwas verbergen will. Sondern weil wir endlich wieder anfangen sollten zu fragen, bevor wir urteilen. Und weil politische Reflexion keine Parteinahme ist – sondern eine Pflicht.

Hören Sie rein – Fangen Sie bei sich an

Wenn Sie wissen möchten, wie der mentale Boxenstopp konkret aussieht, hören Sie gerne meinen Podcast rein:Erfolg darf leicht sein.

Und folgen Sie dem Newsletter Neuland von KT Guttenberg sowie dem Podcast Gysi gegen Guttenberg – für eine der seltensten Dinge in der aktuellen Debatte: ein echtes Gespräch über politische Realitäten, das nicht spaltet.

Mentaler Boxenstopp ®: Hören Sie sich hier ins Thema

Manchmal braucht es keine Worte. Manchmal reicht Musik, um etwas in der Seele anzustoßen, was Argumente nicht erreichen. (Erstellt mit AI-Makesong)

Song: „Stopp: Zwischen Reiz und Reaktion“

Hier sind drei Songs zum mentalen Boxenstopp – für unterschiedliche Momente und Gemüter. Hören Sie rein:

Und jetzt? Eine einzige Aufgabe für heute:

Gönnen Sie sich täglich 1 Glas Wasser. Setzen Sie sich hin. Fünf Minuten. Kein Handy. Kein Lärm. Nur Sie und diese Flasche.

Das ist Ihr erster Boxenstopp.

Wenn Sie nach diesem Artikel noch unsicher sind, ob das Thema „Emotion“ als Hard Skill relevant ist, hören Sie sich das Gespräch zwischen Peter Hahne und R. Bonelli an. Den Link zum Interview finden Sie hier.

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Astrid Göschel M.A.

Strategische Denkpartnerin für Entscheider. Inhaberin von Mentaler Boxenstopp®. EU-Botschafterin im Netzwerk weiblicher Unternehmerschaft.Sie arbeitet dort, wo wirklich gedacht wird.

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by Astrid Göschel M.A.

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