
Warum ich das geschrieben habe?

Es begann mit einem Video auf LinkedIn.
Eine junge Frau, hübsch, pastell-lila Businessanzug, perfekt gestylt. Sie sitzt in einer Achterbahn, setzt Kopfhörer auf, spricht mit ihrem Team — moderiert, pitcht, lacht. Am Ende packt sie die Kopfhörer wieder ein. Das Video hat tausende Likes bekommen. Und ich habe lange auf den Bildschirm gestarrt.
Nicht aus Neid. Nicht aus Unverständnis. Sondern weil mir plötzlich sehr klar wurde, was dieses Video eigentlich zeigt — und was es nicht zeigt.
Es zeigt Energie. Verspieltheit. Den Willen, alles gleichzeitig zu können.
Es zeigt nicht: warum.
Eine Frau im Alter von 50 Jahren – mit zwanzig, fünfundzwanzig Jahren mehr Berufserfahrung hätte das anders gelöst. Nicht weil sie die Kopfhörer nicht toll fände — die findet sie toll, und sie würde sie nutzen, um wirklich gut arbeiten zu können. Nicht weil ihr der Spaß fehlte — die Achterbahnfahrt würde sie genießen, vollständig, ohne Halbheiten. Aber sie würde den Termin vorher klar priorisieren. Sie würde einen Moment mit Ruhe im Hintergrund wählen — oder direkt mit dem Team, das ja auch irgendwo sitzt. Sie würde keine Unruhe säen, weil sie weiß, was Unruhe kostet.
Und sie würde es nicht posten.
Nicht weil sie keine Reichweite hätte. Sondern weil sie verstanden hat, dass nicht jeder Moment Publikum braucht.
Genau das ist das Paradox, das mich nicht loslässt: Die Erfahrung, die Unternehmen heute am dringendsten bräuchten — Prioritäten setzen, Risiken einschätzen, relevante Ergebnisse liefern, ohne Theater — wird systematisch aussortiert. Zu alt. Zu wenig Teamfähigkeit. Zu wenig Energie.
In Wirklichkeit: zu viele Fragen.
Und wer keine Fragen stellt, stört nicht. Wer nicht stört, bekommt den Job.
„Denkbar doof“ ist kein Wutlied. Es ist ein Chanson — leise, ein bisschen Jazz, ein bisschen Seufzen. Aber hinter der Melodie steckt eine ernste Beobachtung:
Wir haben begonnen, Vernunft als Schwäche zu behandeln. Erfahrung als Auslaufmodell. Und Stille als Zeichen von Irrelevanz.
Vielleicht ist es Zeit, kurz rechts ranzufahren.
Audiosequenz wurde mit AI-Make-a-song erstellt.

Autorennotiz

