SONGESSAY von Astrid Göschel M.
>>Klicken Sie hier den Song Stay in control“ und gehen Sie mit dem Thema „Selbst- statt Fremdsteuerung“ in Resonanz. Text von Astrid Göschel und vertont mit AI-make-song:

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Fahrer, der sein Auto beherrscht, und einem, der von seinem Auto getrieben wird. Von außen sehen beide Situationen manchmal ähnlich aus – hohes Tempo, viele Kurven, intensive Konzentration. Doch innerlich ist es ein fundamental anderer Zustand. Der eine bestimmt die Linie. Der andere reagiert nur noch auf das, was die Strecke ihm aufzwingt.
Genau diesen Unterschied erleben Führungskräfte täglich, nur dass die Strecke hier aus Kalendern, Erwartungen und externen Deadlines besteht. Wer morgens den Posteingang öffnet und sich von dem treiben lässt, was andere gerade für dringend erklären, sitzt zwar am Lenkrad – steuert aber längst nicht mehr selbst.
Der Unterschied zwischen Reagieren und Steuern
Fremdsteuerung fühlt sich oft nicht wie Kontrollverlust an. Sie fühlt sich an wie Beschäftigung, wie Wichtigkeit, sogar wie Erfolg. Man ist gefragt, man wird gebraucht, der Kalender ist voll. Doch wer genau hinschaut, erkennt das eigentliche Muster: Die Richtung wird nicht mehr selbst gewählt, sondern von außen vorgegeben – von der nächsten E-Mail, dem nächsten Meeting, der nächsten Erwartung.
Selbststeuerung sieht anders aus. Sie bedeutet nicht, dass es keine äußeren Anforderungen mehr gibt – die Strecke bleibt dieselbe, die Kurven sind real. Aber der Fahrer entscheidet selbst, wann er bremst, wann er beschleunigt und welche Linie er durch die Kurve fährt. Er reagiert nicht blind auf jeden Reiz der Strecke, sondern behält die Übersicht über das gesamte Rennen.
Warum Kontrolle innen beginnt
Der größte Irrtum in der Führungsarbeit ist die Annahme, Kontrolle sei eine Frage der äußeren Umstände. Mehr Tools, mehr Struktur, mehr Delegation – all das kann helfen, löst aber nicht das eigentliche Problem, wenn die innere Steuerung fehlt. Ein Fahrer, der innerlich von Anspannung getrieben wird, fährt auch mit dem besten Auto unkontrolliert. Ein Fahrer, der innerlich ruhig und klar ist, findet auch unter widrigen Bedingungen die richtige Linie.
Selbststeuerung beginnt deshalb nicht mit der Frage „Wie organisiere ich meinen Tag?“, sondern mit der Frage „Wer bestimmt eigentlich gerade meine Reaktionen?“. Ist es die eigene Einschätzung der Lage – oder ist es der Lärm, der von außen auf einen einprasselt?
Die Praxis: Drei Sekunden, die alles verändern
Im Rennsport entscheidet oft eine sehr kurze Phase zwischen Reiz und Reaktion über das gesamte Rennen. Ein Fahrer, der sofort auf jede Unregelmäßigkeit der Strecke reagiert, verliert die Linie. Ein Fahrer, der einen winzigen Moment einlegt, um die Situation einzuordnen, bevor er handelt, behält die Kontrolle.
Genau dieser Moment ist im Führungsalltag der entscheidende Hebel. Es ist die kurze Pause zwischen einer eingehenden Nachricht und der eigenen Reaktion darauf. Es ist die Sekunde, in der man sich fragt: Reagiere ich gerade aus eigener Einschätzung – oder lasse ich mich von der Dringlichkeit anderer steuern? Diese kleine Verzögerung ist kein Zeitverlust. Sie ist der Unterschied zwischen Fahrer und Mitfahrer im eigenen Leben.
Selbststeuerung ist trainierbar
Die gute Nachricht: Selbststeuerung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die sich entwickeln lässt – genau wie das Fahren selbst. Es beginnt mit dem bewussten Erkennen der eigenen Reaktionsmuster, setzt sich fort im Training kleiner Verzögerungen vor automatischen Reaktionen und zeigt sich am Ende in der Fähigkeit, auch unter Druck die eigene Linie zu halten, statt sich von der Strecke diktieren zu lassen.
Wer das beherrscht, fährt nicht zwangsläufig ruhiger oder langsamer. Aber er fährt sein eigenes Rennen – nicht das, das andere für ihn vorgegeben haben.

