Blogartikel: Wer Angst fährt, fährt für andere (Songessay)

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SONGESSAY von Astrid Göschel M.

>>Klicken Sie hier den Song „Hands on the wheel“ und gehen Sie mit dem Thema „Wer Angst fährt, fährt für andere“ in Resonanz. Text von Astrid Göschel und vertont mit AI-make-song:

Es gibt einen Unterschied zwischen einem Fahrer, der eine Kurve fährt, weil er ihre Linie versteht – und einem, der dieselbe Kurve fährt, weil er Angst hat, sie zu verfehlen. Von außen sieht beides oft identisch aus. Beide sitzen am Lenkrad, beide steuern, beide treffen Entscheidungen. Doch innerlich folgen sie völlig unterschiedlichen Logiken. Der eine fährt aus eigener Übersicht. Der andere fährt, um einen Fehler zu vermeiden, den jemand anderes ihm vielleicht vorwerfen könnte.

Das ist der eigentliche Kern dieses Themas: Wer aus Angst fährt, fährt selten wirklich für sich selbst. Er fährt für die imaginäre Bewertung anderer – den Vorgesetzten, das Team, die Konkurrenz, die eigene Selbstkritik. Die Hände liegen zwar am Lenkrad, aber die Richtung wird von einer Stimme bestimmt, die nicht die eigene ist.

Wie sich Angstfahren im Berufsleben zeigt

In Führungspositionen zeigt sich dieses Muster selten so offensichtlich wie im Rennsport. Es äußert sich subtiler: in der Entscheidung, ein Risiko nicht einzugehen, nicht weil es objektiv unklug wäre, sondern weil ein möglicher Misserfolg unangenehme Fragen nach sich ziehen könnte. Es zeigt sich in der Tendenz, lieber den sicheren, erwarteten Weg zu wählen, als den Weg, der tatsächlich der bessere wäre. Es zeigt sich darin, Entscheidungen so zu treffen, dass sie im Nachhinein rechtfertigbar sind – statt sie so zu treffen, dass sie wirklich richtig sind.

Das Problem an diesem Muster: Es fühlt sich nicht wie Angst an. Es fühlt sich an wie Vorsicht, wie Verantwortungsbewusstsein, wie kluges Risikomanagement. Doch der entscheidende Test ist die Frage: Treffe ich diese Entscheidung, weil ich sie für richtig halte – oder weil ich vermeiden will, dass mir später jemand einen Vorwurf macht?

Der Unterschied zwischen Vorsicht und Angstfahren

Der erste Schritt aus diesem Muster heraus ist nicht, die Angst zu eliminieren – das gelingt selten vollständig und ist auch nicht das Ziel. Der erste Schritt ist, die Angst zu erkennen, wenn sie die Richtung bestimmt. Die einfache Frage davor: Würde ich diese Entscheidung auch so treffen, wenn niemand sie je bewerten würde?

Es wäre falsch, Vorsicht grundsätzlich mit Angst gleichzusetzen. Ein erfahrener Fahrer ist vorsichtig, weil er die Risiken der Strecke kennt – nicht, weil er Angst vor dem Urteil der Zuschauer hat. Diese Vorsicht entsteht aus Wissen und Übersicht, nicht aus der Sorge um die eigene Bewertung.

Angstfahren hingegen entsteht aus einer ständigen inneren Ausrichtung auf das Urteil anderer. Die Entscheidung wird nicht primär anhand der Strecke getroffen, sondern anhand der Frage: Wie wird das aussehen? Wer so fährt, optimiert nicht für das beste Ergebnis, sondern für die geringste Angreifbarkeit. Und das führt selten zur besten Linie durch die Kurve.

Warum dieses Muster Führung schwächt

Eine Führungskraft, die aus Angst entscheidet, sendet dieses Muster unweigerlich an das eigene Team weiter. Mitarbeitende spüren sehr genau, ob Entscheidungen aus Überzeugung oder aus Absicherung getroffen werden. Angstgetriebene Führung erzeugt selten Vertrauen – sie erzeugt eine Kultur, in der ebenfalls jeder primär versucht, sich selbst abzusichern, statt das beste Ergebnis für die gemeinsame Sache zu verfolgen.

Das eigentliche Problem ist also nicht nur die einzelne Entscheidung, sondern die Wirkung, die sie auf das gesamte Umfeld hat. Wer für andere fährt, fährt selten gut – und er bringt selten andere dazu, mutig für die Sache zu fahren.

Der Weg zurück ans eigene Lenkrad

Diese Frage verändert nichts an der äußeren Situation. Aber sie holt die Hände zurück ans eigene Lenkrad. Wer sie sich regelmäßig stellt, fährt nicht automatisch mutiger – aber er fährt wieder sein eigenes Rennen, statt das Rennen der imaginären Kritiker am Streckenrand.

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Astrid Göschel M.A.

Strategische Denkpartnerin für Entscheider und Inhaberin von Mentaler Boxenstopp®. Als EU-Unternehmensbotschafterin für weibliches Unternehmertum und Ambassador des European Network of Female Entrepreneurship Ambassadors arbeitet sie dort, wo wirklich gedacht wird – und wo Führung neu definiert wird.

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