Oct 9, 2026 ·
Heldin statt Powerfrau
Wer gut führen will, muss zuerst mit der eigenen Kraft haushalten können. Diese Überzeugung begleitet mich, seit ich mich selbstständig gemacht habe.
Ich wollte nie eine Powerfrau sein. Mir hat es immer gereicht, eine Heldin zu sein. Meine Definition ist einfach: Eine Heldin tut, was sie kann. Denn viele andere tun das nicht.
Ich habe mein Unternehmen aus eigener Kraft aufgebaut, ohne finanzielle Zuschüsse, als Geisteswissenschaftlerin im technischen Umfeld. Genau deshalb musste ich von Anfang an lernen, Entscheidungen nicht nur nach Chancen zu treffen, sondern auch nach meinem Kraft- und Energieniveau. Als Leistungssportlerin war es für mich normal kurze Pausen zu machen und Regeneration nicht als Feind, sondern Freund zu sehen.
Das Problem: Dauer-Empowerment und fremde Maßstäbe
Viel Empowerment-Rhetorik verlangt von Frauen, immer mehr zu leisten, statt klüger zu entscheiden. Wer ständig „Power“ zeigen soll, verbraucht Energie, bevor überhaupt klar ist, wofür.
Das Muster ist bekannt: Erst wird Stärke inszeniert, auf Bühnen, Kongressen und in sozialen Medien. Später folgt die Erschöpfung, und mit ihr die Erkenntnis, dass man auf seine Energie hätte achten müssen. Diese Erkenntnis kommt zu spät, wenn sie erst nach dem Zusammenbruch kommt.
Energiemanagement ist deshalb keine Wellness-Frage für danach. Es ist eine Führungskompetenz, die von Anfang an in jede Entscheidung gehört.
Die Leitfrage: Kann ich das verkraften?
Jede Entscheidung beginnt bei mir mit einer Frage: Kann ich das verkraften? Gemeint ist nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich, mental und emotional.
Die Frage hat eine zweite Seite, die oft vergessen wird: Kann mein Gegenüber verkraften, was ich sage, was ich will, was ich mir wünsche? Gute Führung achtet auf die eigenen Kräfte und auf die der anderen. Wer nur auf sich schaut, überfordert sein Team. Wer nur auf andere schaut, brennt selbst aus.
In der Praxis lässt sich die Leitfrage in drei Prüfschritte übersetzen:
- Kraft: Habe ich für dieses Vorhaben genug Zeit, Geld und mentale Reserven, auch wenn es länger dauert als geplant?
- Grenze: Was ist das Schlimmste, das passieren kann, und könnte ich damit leben?
- Gegenüber: Was mute ich anderen zu, und ist das fair und tragbar?
Erst wenn alle drei Antworten tragen, ist ein Ja ein gutes Ja.
Warum Frauen in Tech eigene Maßstäbe brauchen
Ich habe mich nie mit Männern verglichen, und das war eine meiner besten Entscheidungen. Frauen führen oft unter anderen Bedingungen und sollten ihre Kraft deshalb an eigenen Maßstäben messen.
Das Bild der Gründerpersönlichkeit in der Technologiebranche ist stark männlich geprägt: Dauerverfügbarkeit, Wachstum um jeden Preis, Härte als Tugend. Viele Frauen bringen andere Ausgangslagen mit, etwa weniger Zugang zu Risikokapital, kleinere Netzwerke oder zusätzliche Verantwortung in Familie und Pflege. Wer unter solchen Bedingungen das Tempo anderer kopiert, verausgabt sich schneller.
Daraus folgt kein Weniger an Ehrgeiz, sondern eine andere Strategie: Energie wird als knappe Ressource geplant, genauso wie Budget und Zeit. Eine Heldin muss nicht stärker sein als andere. Sie muss wissen, was sie kann, und das konsequent tun.
Das gilt nicht nur für Frauen. Aber gerade in technischen Feldern, in denen Frauen noch in der Minderheit sind, ist es ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, nach eigenen Regeln zu spielen.
Das Prinzip: Mentaler Boxenstopp®
Der mentale Boxenstopp ist eine feste, kurze Pause, in der ich prüfe, ob ich noch auf meiner eigenen Strecke fahre. Wie im Motorsport entscheidet nicht die schnellste Runde, sondern der richtige Stopp zur richtigen Zeit.
Ein Boxenstopp folgt vier Fragen:
- Stand: Wo stehe ich gerade mit meinen Zielen?
- Tank: Wie ist mein Kraft- und Energieniveau, und was hat es diese Woche gefüllt oder geleert?
- Kurs: Für wessen Ziele habe ich meine Energie eingesetzt, für meine oder für die anderer?
- Nächste Runde: Was ist der eine wichtigste Schritt bis zum nächsten Stopp?
Entscheidend ist der Rhythmus. Ein Boxenstopp wirkt nur, wenn er fest im Kalender steht, etwa jeden Montagmorgen, und nicht erst dann, wenn der Tank leer ist.
Gruppendynamik: sich nicht von außen treiben lassen
Die größte Gefahr für die eigene Energie kommt oft nicht von der Arbeit, sondern von außen. Netzwerke, Trends und Erwartungen anderer ziehen ständig an uns.
Gruppendynamische Effekte laufen permanent ab. Man übernimmt den Ton einer Community, ihre Ziele und ihr Tempo, oft ohne es zu merken. Gerade Menschen, die gerne im Dialog sind und anderen helfen, investieren dabei viel Energie in fremde Vorhaben.
Mentale Stärke bedeutet deshalb vor allem: zu wissen, wer man ist und was man will, und sich das nicht von anderen vorschreiben zu lassen. Eine einfache Prüffrage vor jeder Zusage hilft: Bringt mich das meinem eigenen Ziel näher? Ein Ja zu anderen darf es weiterhin geben, aber bewusst und in klaren Grenzen.
Fazit: Erfolg darf leicht sein
Balancierte Selbstführung macht Erfolg nicht kleiner, sondern nachhaltiger. Wer Energie von Anfang an mitdenkt, trifft bessere Entscheidungen und hält länger durch.
Für Frauen in Tech heißt das: Mut zum eigenen Weg und Sorgfalt mit den eigenen Kräften gehören zusammen. Die Frage „Kann ich das verkraften?“ und regelmäßige mentale Boxenstopps sind dafür einfache, wirksame Werkzeuge.
Erfolg darf leicht sein. Aber die Kraft dafür liegt immer in einem selbst.
MENTALER BOXENSTOPP® schafft dafür den Raum.
Nicht um stehen zu bleiben.
Sondern um weiterfahren zu können.
>>Hier kommen Sie mit der Boxenstoppler-Kultur ins Resonanz:

