Die Entscheidung, die schon zu lange wartet

Ein ungeöffneter Umschlag auf einem Schreibtisch neben erledigten Unterlagen und einer Tasse Kaffee

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Es gibt in fast jedem Unternehmerleben diese eine Entscheidung. Sie steht nicht im Kalender und taucht in keiner Vorstandsvorlage auf. Sie liegt einfach da. Morgens beim ersten Kaffee, abends auf der Heimfahrt, manchmal mitten in einem Meeting, das eigentlich von etwas ganz anderem handelt.

Wer führt, trifft jeden Tag Dutzende Entscheidungen. Budgets, Personal, Prioritäten, Termine. Das läuft, oft erstaunlich sicher. Und trotzdem bleibt diese eine Frage liegen. Wochen, manchmal Jahre.

Was liegen bleibt, ist selten das Schwierigste

Man könnte meinen, es seien die komplexesten Entscheidungen, die warten. Meine Beobachtung aus vielen Gesprächen mit Entscheidern ist eine andere. Es sind die persönlichsten.

Die Nachfolge, die man seit drei Jahren ansprechen wollte. Der langjährige Partner, mit dem es nicht mehr passt. Der Standort, an dem das Herz hängt und die Zahlen nicht mehr. Die Frage, ob man selbst noch zehn Jahre so weitermachen will.

An diesen Entscheidungen hängt etwas, das sich nicht in einer Tabelle abbilden lässt. Loyalität. Herkunft. Ein Bild von sich selbst. Und genau deshalb bleiben sie liegen, während alles andere zügig erledigt wird.

Vertagen ist auch eine Entscheidung

Das Unbequeme an der liegengebliebenen Entscheidung ist: Sie wird trotzdem getroffen. Nur nicht von Ihnen. Die Zeit entscheidet, der Markt entscheidet, manchmal entscheiden die Menschen, die nicht länger warten wollen.

Und sie kostet Kraft. Eine offene Frage arbeitet im Hintergrund weiter wie ein Programm, das man vergessen hat zu schließen. Man merkt es nicht sofort. Man merkt es an der Müdigkeit, die sich durch Urlaub nicht mehr ganz auflöst.

Nicht die Entscheidung erschöpft uns. Das Nichtentscheiden tut es.

Der Schritt, der fast immer übersprungen wird

In meiner Arbeit nutze ich eine einfache Abfolge aus vier Worten: erkennen, anerkennen, entscheiden, entschieden handeln.

Die meisten Entscheider sind hervorragend im ersten und im dritten Schritt. Sie erkennen Probleme schnell und sie können entscheiden. Was oft fehlt, ist das zweite Wort. Anerkennen heißt, ehrlich wahrzunehmen, was an der Frage hängt. Die Angst, jemanden zu enttäuschen. Die Loyalität zu einem früheren Ich. Die schlichte Erschöpfung.

Wer diesen Schritt überspringt, entscheidet zwar im Kopf, kommt aber nicht ins Handeln. Wer ihn geht, erlebt oft etwas Überraschendes: Die Entscheidung selbst wird leicht. Darüber, wie sehr schon die Sprache hier die Richtung vorgibt, habe ich vor einigen Tagen geschrieben: Sprache ist die Weiche, die Entscheidung ist die Fahrt.

Warum es dafür einen Raum braucht

Viele Entscheider haben niemanden, mit dem sie diese eine Frage offen aussprechen können. Im Unternehmen nicht, weil Unsicherheit dort sofort Wellen schlägt. Zu Hause oft auch nicht, weil die Familie selbst betroffen ist. Berater haben meist eine Lösung, bevor die Frage überhaupt ausgesprochen ist.

Was es braucht, ist ein Raum ohne Agenda. Menschen in ähnlicher Verantwortung, die nichts verkaufen wollen. Eine Stunde, in der die Frage einfach da sein darf. Erstaunlich oft reicht das, damit sich etwas bewegt.

Eine Frage für diese Woche

Welche Entscheidung tragen Sie schon zu lange mit sich herum? Und was hängt daran, das Sie sich bisher nicht eingestanden haben?

Sie müssen die Antwort niemandem sagen. Es genügt, sie einmal für sich aufzuschreiben.

Ich mute mich zu. Links der Wackeldackel: Bestätigung für das, was Sie seit Jahren wissen, Nicken. Rechts die vier Intelligenzbestien: Klarheit darüber, was unter Druck Ihr Steuer übernimmt, Handeln.

Bildnachweis: Die Bilder und Grafiken in diesem Beitrag wurden mit Unterstützung von KI erstellt.


Zum Weiterhören: Folge 159 meines Podcasts „Erfolg darf leicht sein“ erscheint am 10. November und widmet sich genau diesem Thema. Hier können Sie den Podcast abonnieren.

Und wer seine Frage gern in einem kleinen Kreis bewegen möchte:

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Lesen Sie auch: IntelligenzBESTIE: Leise im Auftreten. Feuerwerk im Kopf. · Sprache ist die Weiche, die Entscheidung ist die Fahrt

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Astrid Göschel M.A.

Executive Advisor for Leadership Transformation & Female Entrepreneurship. Als Ambassador des European Network of Female Entrepreneurship arbeitet sie dort, wo wirklich gedacht wird – und wo Führung neu definiert wird.

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